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Konzentration bei Dartspielern

 

„Wie kann ich mich besser konzentrieren?“ Dies ist eine Frage, die mir sehr häufig gestellt wird.

Unter anderem begegnen mir in diesem Zusammenhang einige beliebte Varianten: „Ich kann mich nur kurz oder gar nicht konzentrieren“ oder „Auf was soll ich mich denn genau konzentrieren?“ Ich glaube meine Annahme, dass wir schon sehr früh dieses Wort kennengelernt haben, ist nicht falsch. Bereits in unserer Kindheit und Jugend sind folgende sinnhafte Sätze prägend: „Mensch, konzentriere Dich doch“ bzw. „Hast Du Dich nicht konzentriert?“

Was verbinden wir mit diesen Sätzen? Aus meiner Sichtweise, nichts Positives. Diese Sätze habe ich dann zu hören bekommen, wenn etwas nicht funktionierte, ich schlecht abschnitt oder nur zögerlich reagierte. In Verbindung bringe ich diese Verhaltensweisen mit schlechten Noten oder Unkonzentriertheit in Schule oder im Sport. So zum Beispiel passte ich nicht genau auf, als der Ball zu hoch in den Strafraum kam und ich diesen folglich unterlief.

„Junge, was ist los? Konzentriere Dich doch mal! Ist doch nicht so schwer.“

Diese Sätze hört man also immer dann, wenn wir einen Fehler gemacht haben. Bereits dann wurde der Karren in den Sand gefahren. Welche Schlussfolgerung habe ich daraus zu ziehen? Ich habe sehr viel Zeit damit verbracht, diese Anweisungen zu verstehen. Wie macht man das denn, sich konzentrieren? Mit zusammengekniffenen Augen starren, mehr Blut in das Gehirn pumpen, Zähne fletschen?

Um die Möglichkeit wahrzunehmen, anderen Menschen und auch sich selbst mit gezielten Anweisungen für die richtige Aufmerksamkeitsauslenkung zu sorgen, anstatt mit nichtssagenden Sätzen vor unlösbare Aufgaben zu stellen, stelle ich Euch heute das Modell der Aufmerksamkeitsauslenkung vor. Konzentration, so beschreiben es Psychologen, ist die Möglichkeit seine Aufmerksamkeit gezielt auf eine Aufgabe auszurichten.

Ab hier wird es dann für Dartspieler spannend. Das Ziel zu erfassen und zu treffen, ist eine willentliche Ausrichtung der Aufmerksamkeit und damit ein wesentlicher Bestandteil unseres Sports. Aber vorher noch ein paar Worte zur Aufmerksamkeit.

Was behindert die Konzentration?

  • Lärm
  • Stress
  • Multitasking
  • Müdigkeit und
  • Ernährung

Die Punkte 1 bis 3 sind gerade für uns Dartspieler sehr wichtig.

Stress umfasst unter anderem die Aufregung und die Nervosität. Ebenso sind wir bei unseren Turnieren ständigem Lärm ausgesetzt. Dabei können wir feststellen, je mehr unsere Konzentration schwindet, desto lauter werden auch vorher kaum wahrgenommene Geräusche. Und dann natürlich noch das berühmte Multitasking, was gerade Frauen so gut beherrschen sollen.

Woher diese Annahme kommt, kann ich nicht nachvollziehen. Aber diese Aussage kann in den Bereich der Mythen verschoben werden. Also, wie können wir uns die Aufmerksamkeit bildhaft vorstellen, um sie besser zu verstehen und anzuwenden? Es gibt „Modelle“, die uns das ermöglichen. Als wohl am besten zu verstehen ist das Modell nach Nideffer, der davon ausgeht, dass wir unsere Aufmerksamkeit in folgende Bereiche aufteilen.

Fokus: außen - innen - eng - weit

Damit verbunden ist die Möglichkeit, nur EINE der Arten maximal ausführen zu können. Also widerspricht dies dem Multitasking-Prinzip, was wir auch erfahren, wenn wir mit dem Handy eine Aktion ausführen und gleichzeitig etwas anderes machen (Laufen, Fahrrad- oder Autofahren).

Beispiele für die jeweiligen Aufmerksamkeitsarten:

Außen - weit: Wir erfassen sehr viel, schauen in die Breite und nehmen viele Eindrücke auf.

Außen – eng: Hier wird die Aufnahme auf das Wesentliche reduziert. Wir engen damit unseren Fokus ein und richten ihn beispielsweise auf einen Nadelkopf aus, der im Board steckt.

Innen - weit: Eigenes Befinden, so zum Beispiel als Läufer: Wie viel Kraft habe ich noch? Bin ich vielleicht zu schnell?

Innen - eng: Bestimmte Vorgänge und Punkte im Körper.

Somit ist in unserer Sportart die wichtigste und wahrscheinlich auch leistungsintensivste Phase auf den Fokus (außen - eng) gerichtet. Aber wie merke ich, dass meine Konzentration schwindet?

Sobald ich auf mein Ziel ausgerichtet bin, darf kein anderer Gedanke in meinem Kopf sein. Auch Geräusche, die immer stärker und bewusster wahrnehmbar werden, sind ein Zeichen der nachlassenden Konzentration. Eine Besonderheit, die gerade durch die mentale Komponente im Dartsport entsteht, ist, dass wir uns sehr oft Gedanken über vergangene schlechte Würfe oder über mögliche Konsequenzen machen, wenn der nächste Dart sein Ziel verfehlen sollte.

Oft verbauen wir uns mit zu vielen Gedanken den Weg

Wie im oberen Teil schon erklärt, kann das zu Beeinträchtigungen bei der Konzentration führen. Also ist es wichtig, seinen Fokus mental auf das Hier und Jetzt auszurichten und somit Ressourcen freizuhalten, die ich für meine eigentliche Aufgabe benötige. Ein Unterfangen, das je nach Persönlichkeit und Erfahrung nicht einfach umzusetzen ist. An dieser Stelle kommt ein weiteres Modell zum Tragen, und zwar das „Handlungs- und Lageorientierte Modell“ von Kuhl, auf das ich aber in einer anderen Folge eingehen möchte.

Wie kann die Konzentration bei Dartspielern gefördert werden?

Übung 1: Atemtechniken und das Hineinhören in sich selbst.

Wir stellen uns den Atem vor, wie er tief, ganz tief bis in den Bauchraum hineinströmt. Sobald sich ein Gedanke ergibt, der nicht zu dieser Übung gehört, können wir ihn mit dem nächsten Ausatmen herausströmen lassen. Hier können wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn die Bauchatmung kann uns in stressigen Situationen helfen, den Stress unter Kontrolle zu halten. Folglich üben wir damit unsere Konzentration.

Übung 2: Das „Fotografieren“ von Deiner Umgebung.

Nimm Deine Umgebung für einige Sekunden wahr (außen – weit) und schließe dann die Augen! Stelle das Gesehene in den nächsten 1 bis 2 Minuten nach und versuche auch Details herauszuarbeiten! Danach öffne die Augen öffnen und gleiche Dein gedachtes Bild mit der Realität ab!

Übung 3: Bücher lesen

Gerade wenn man etwas älter und ungeübt im Lesen ist, weil man in der heutigen Zeit nur noch Videos usw. schaut, wird man erschreckenderweise feststellen, dass das Lesen gar nicht so einfach ist, wenn man es fokussiert betreiben will.

Bei allen Übungen wird man im Laufe der Zeit Verbesserungen merken. Aber es ist eine harte Arbeit. Wenn man sich darauf einlässt, kann man mit Recht behaupten: „Ich trainiere hart“.

Henry Ford: „Weil Denken die schwerste Arbeit ist, die es gibt, beschäftigen sich auch nur wenige damit.“

Die Basis für den richtigen Fokus, ist die richtige Zielsetzung.

Somit möchte ich zum Schluss erwähnen, dass es sich hier nur um einen kurzen Einblick in den Bereich der Konzentrationsmodelle handelt. Ich hoffe, dass ich einigen Spielern die Fundamente an die Hand gegeben habe, sich folglich damit weiter zu beschäftigen und eigene Übungen in ihre Trainingspläne zu integrieren.

 

Wer schreibt hier? 

Hallo, ich bin Oliver und betreibe einen eigenen Vlog rund um das Thema Dart, Training und die dazugehörige mentale Stärke. Besucht mich gerne auf meiner Website